Hochsensibilität.

 

Hochsensibilität, auf Englisch "sensory processing sensitivity", ist eine angeborene neurobiologische Eigenheit, welche die Wahrnehmung und Verarbeitung von Menschen und weiteren höher entwickelten Säugetieren betrifft. Die wissenschaftliche Forschung in dem Bereich geht davon aus, dass 15-20% der Menschen weltweit, unabhängig vom Kulturkreis mehr oder weniger stark diese Eigenheit besitzen.

 

 

Dass es bei den meisten höher entwickelten Lebewesen Individuen gibt, die sensibler auf Reize reagieren als andere, ist keine neue Erkenntnis. Forscher wie Ivan Pawlow oder der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung haben schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts darauf hingewiesen. In die moderne Psychologie wurde das Phänomen dank der Forschung der selber hochsensiblen amerikanischen Psychotherapeutin Elaine Aron aufgenommen. Sie definiert Hochsensibilität über vier wesentliche Merkmale:

 

 

  • Verarbeitungstiefe: Hochsensible Menschen besitzen in ihrem Nervensystem weniger Filter, was dazu führt, dass aufgenommene Informationen mehr Reaktionen und Assoziationen auslösen, der Verarbeitungsprozess der Informationen als länger dauert und tiefer geht.
  • Überstimulation: Bedingt dadurch, dass weniger Filter vorhanden sind, kommen hochsensible Menschen schneller an ihre Verarbeitungsgrenze, was unangenehme körperliche und emotionale Zustände sowie in der Regel auch einen Rückzugsdrang zur Folge hat. Hochsensible Menschen können einerseits überstimuliert werden durch zu viele Reize, anderseits aber auch durch zu wenig Reize. Bsp.
  • Emotionale Empfänglichkeit: Hochsensible Menschen reagieren rascher emotional auf ihre Umgebung und mit stärkeren Emotionen.
  • Sensoren für Subtiles: Dadurch, dass weniger Information aus der Umgebung ausgeblendet werden kann, nehmen Hochsensible auch subtile Informationen, Details wahr.

 

Hochsensibilität ist keine psychische Erkrankung. Allerdings können die Anforderungen der heutigen Zeit wie permanente Verfügbarkeit, Flexibilität bis zur Selbstverleugnung, die Betonung von Extraversion und aggressivem Durchsetzungsvermögen sowie die permanente Reizüberflutung in öffentlichen Räumen insbesondere bei sensiblen Menschen zu Überforderung und Leiden führen. Zusätzlich dazu ist es leider so, dass hochsensible Menschen besonders anfällig für die Entwicklung von psychischen Störungen sind. Elaine Aron geht davon aus, dass 50% der Menschen, die eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, hochsensibel sind. Viele Psychotherapien können hochsensiblen Menschen helfen, die Störungssymptomatik zu behandeln und zu reduzieren, allerdings wird oftmals der Aspekt der Hochsensibilität nicht oder zu wenig beachtet.

 

 

Dank meiner eigenen Erfahrung als hochsensibler Mensch und meinem Fachwissen im Bereich der Hochsensibilität, kann ich hochsensiblen Menschen massgeschneiderte Unterstützung anbieten, um diese Eigenheit als die Stärke und Ressource wahrnehmen zu können, die sie eigentlich ist.

 

 

Themen und Fragestellungen für therapeutische Unterstützung können sein:

 

  • Wie entwickle ich einen freundlichen und wertschätzenden Umgang mit meiner (Hoch-)Sensibilität?
  • Wie erlange ich mehr Selbstakzeptanz?
  • Wie behaupte ich mich selber, wie setze ich mich für meine Rechte und Wünsche ein?
  • Wie kann ich die Hochsensibilität als Ressource in meine Partnerschaft einbringen?
  • Wie führe ich Beziehungen und Freundschaften mit weniger sensiblen Personen?
  • Umgang mit Perfektionismus
  • Klärung und Behandlung von schwierigen / traumatischen prägenden biografischen Erfahrungen

 


"Lächle, atme und gehe langsam." - Thich Nhat Hanh

PSYTSG - Psychotherapie Simon Gautschy

M.Sc. Simon Gautschy

Eidg. anerkannter Psychotherapeut - Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

Rathausgasse 17

5000 Aarau